GIRLS
Father, Son, Holy Ghost
Pias / Rough Trade

Ein größenwahnsinniges Ding, das. Aber diese West Coast-Freunde wissen genau, was sie tun. Der Opener "Honey Bunny" etwa ist ein exakter Nachbau der Wiederentdeckung von Rock'n'Roll in der Beatles-Spätphase, inklusive original Harrison-Gitarrenbreak. Oder "Die": Nach Black Sabbath-Riff steigt die Gesangsmelodie mit einer Replika von Deep Purples "Highway Star" ein, doch gespielt wird das Ganze wie einst bei Blue Cheer. Gewürzt wird das alles noch durch Owens schillernde Vita, die sich in den von Privatobsessionen regierten Lyrics niederschlägt. Viele Songs sind leider in bester Drogenrock-Manier überflüssig aufgebauscht, scheitern an der behaupteten epischen Größe. Umso schöner die kleinen Schmuckstückchen gegen Ende des Albums: Die großartig verstolperte R'n'B-Ballade "Love Like A River" lässt das Talent dieser Band noch einmal aufleuchten, "Jamie Marie" ist in seiner herzerwärmenden Einfachheit eine schöne Verbeugung vor dem Werk Jonathan Richmans. Verwirrend, diese Girls, da weiß man wirklich nicht, in welche Richtung das weitergeht.
Karl Koch