BANKSY - EXIT THROUGH THE GIFT SHOP

Umsonst und draußen

Eine Pseudo-Doku über echte Streetart und falsche Kunst

Banksy gibt es wirklich, auch wenn angeblich niemand weiss, wie er aussieht. Im Film, den er über unter anderem sich selbst gemacht hat, tritt er nur vermummt auf, in der Wirklichkeit verschwindet er völlig hinter seinen Werken: Banksy ist der vermutlich bekannteste Streetartist der Welt. Er fälschte ein Paris Hilton-Album, er schmuggelte eine Guantanamo-Häftlings-Puppe nach Disneyland, er machte Sabotage zur Kunstform. Und jetzt fälscht er einen Dokumentarfilm über sich und die Szene.

Thierry Guetta tritt darin als Filmemacher auf, der eher zufällig an eine Kamera und in die Anfänge der Straßenkunst geriet. Konspirativ robbt sich Guetta immer näher an den geheimnisvollen Untergrund heran, beobachtet illegale und gefährliche Aktionen und unterhält sich mit allen großen Namen der Bewegung. Das ist sehr interessant, aber warum quatscht uns ständig dieser Thierry Guetta dazwischen?

Weil er eine Kunstfigur ist. Banksy tut nur so, als habe er sich jahrelang von dem verrückten Streetart-Fan begleiten lassen. Banksy, falls es überhaupt Banksy ist, schwindelt uns an, wenn er seinem Dokumentaristen plötzlich den Film aus der Hand nimmt und ihm sozusagen die Kamera in der Hand umdreht. Banksy macht Thierry vom Beobachter zu einem Streetart-Künstler und pusht ihn in kürzester Zeit zum Star. So kann Banksy sogar eine ganze Ausstellung samt Publikumsinteresse, Presseecho und Bewegung am Kunstmarkt fälschen.

Aus der punkigen Streetart, die ihren Guerilla-Kunstkrieg gegen die grauen Mauern der Städte führte, wurde ein hippes Sekt-Event, von dem sich der Papst der Bewegung nur noch ironisch abwenden konnte. "Ich wollte einen Film machen, der für Streetart das bewirkt, was Karate Kid für den Kampfsport bewirkt hat. Aber wie sich herausstellt, haben wir einen Film gemacht, der für Streetart so viel getan hat wie Der weiße Hai für den Wassersport."

Wing

USA / GB 2010. R: Banksy D: Banksy, Thierry Guetta aka Mister Brainwash, Invader, Shephard Fairey, Rhys Ifans