LIFESTYLE

Dödel nach rechts

Florian Illies und die »Generation Golf«

In seiner Jugend saß er oft in der Badewanne und spielte mit Playmobil-Figuren. In der Pubertät wollte er lieber Walzer lernen als diesen albernen Sirtaki, der die Tanzlehrerin (eine Alt-68erin natürlich) so begeisterte. Später gings ins Fitness-Studio und auf die Love Parade. Heute ist Florian Illies Feuilleton-Redakteur bei der FAZ. Schwamm drüber.
Leider meint er, dass sich aus diesem verkorksten Leben noch was machen läßt, weshalb er das Buch Generation Golf schrieb, das so lustig ist wie die Teletubbies und so analytisch wie ein Abend bei Stefan Raab. Noch'n Schwamm drüber.
Die "Generation Golf", benannt nach dem ziemlich häßlichen Auto, steht eher auf Frisur als auf Hirnfüllung. Ob man den Schwanz demnächst eher rechts oder links trägt, scheint dringender zu klären zu sein als die Frage, ob die Giftstoffe, mit denen das tolle neue Beinkleid gefärbt wurde, den Dödel langfristig nicht überhaupt absterben lassen. Aber das muss ja nicht unsere Sorge sein und gibt langfristig eher Anlaß zur Hoffnung.
Die Arroganz der schon früh zu warm Gebadeten richtet sich gegen jeden, der anders ist: "Wir wollen mit Leuten, die ihre Fahrräder noch selbst reparieren und sich einen Abend lang über die Solarenergie und Kurdenverfolgung im Nordiran die Köpfe heiß reden, eigentlich nichts zu tun haben." - es besteht der Verdacht, dass dies auch umgekehrt gilt, und mit mehr Recht.
Kritik perlt an diesen Kerlchen aber ab wie Wasser an Teflon, "da die Generation Golf das ironisch Gebrochene bei jeder Handlung mitdenkt". Das hat er schön gesagt. Angesichts dieser Kleinwagen-Spießer bleibt einem sowieso nichts anderes übrig, als ab und zu kräftig ironisch zu brechen.
Erich Sauer
Florian Illies: Generation Golf. Eine Inspektion Argon, Berlin 2000, 219 S., 34,- DM