BRAINS

Botschaften

David Lodge »Denkt!« - das poppt im Kopf

Der Titel ist ein Kompromiss; eigentlich sollte er nur aus den Bläschen bestehen, die in Comics andeuten, der geschrieben Text sei ein gedachter. Aber Bücher brauchen Titel. Also: "Denkt".
Bücher brauchen auch Helden, jedenfalls bei David Lodge, dem Ex-Literaturprofessor, der in jedem seiner vielen Romane immer auch ein bisschen über das Erzählen erzählt. Also gibt es Mr. Messenger und Mrs. Reed (aha: die Botschaft und der Leser, kaum verschlüsselt). Ersterer brabbelt seine erfundenen Gedanken wahllos auf Band, um ein Bewußtseins-Experiment zu machen - zweitere verfasst umständlich ein Tagebuch. Und Lodge, das englisch elegantere Original zu unserem Schwanitz, gibt Dialoge und Regieanweisungen an den Schnittstellen.
Das Personal muss nämlich über Kognitions-Konzepte small-talken, die Laiin sich vom Computer-Mann als Maschine beschreiben lassen, die Schriftstellerin den Bewusstseins-Forschern mit poetischen Bedenken kommen. Und mit ein paar lustigen Literaturparodien, wenn ihre Studenten Parabeln über Künstliche Intelligenz-Themen im Stile britischer Autoren verfassen: wie es ist, eine Fledermaus zu sein ála Martin Amis. Sehr vergnüglich.
Handlung gibt's auch: die Protagonisten kriegen eine Affäre miteinander, und entdecken die ihrer Ehepartner. Dazu viel Flurfunk aus dem akademischen Leben einer Mini-Uni. Und literarische Effekte aus dem Lehrbuch (etwa der hier: Messenger kriegt einen Hirntumor, damit er am Maschinenschaden die eigene Seele erkennt).
Das liest sich alles flott weg, das macht im manchmal dreimal anders Duchkauen (Diktat-, Diary- und Dialog-Kapitel) etwas müde, aber das macht nichts.
Wer Plauderfutter für die nächste Party bei Studienrats braucht, greift gern zu diesem Lodge. Wie zu den vielen anderen, die jetzt alle, nach dem Ende des Haffmans-Verlags, eine neue deutsche Heimat suchen.
WING
David Lodge: Denkt Aus dem Englischen von Martin Ruf. Haffmans, Zürich 2001, 511 S., 22.50 EU